Fotografisches Gedächtnis in der Gedächtnisspsychologie

Fotografisches Gedächtnis in der Gedächtnisspsychologie

Wem ist das noch nicht passiert? Beim allseits beliebten, familiären Memory-Spiel behauptet der Gewinner, dass er ein fotografisches Gedächtnis hat.

Klar: Der kann sich genau merken, wo welche Karte schon mal aufgedeckt wurde. Also muss er ja ein fotografisches Gedächtnis haben!

Tatsächlich findet man oft bei Kindern die Fähigkeit, Bilder sehr detailgetreu im Gedächtnis zu behalten. Diese Fähigkeit geht jedoch leider mit der Zeit verloren. Der umgangssprachliche Einsatz des Begriffs fotografische Gedächtnis hat aus rein wissenschaftlicher Betrachtung jedoch keinerlei Grundlage.

Wissenschaftliche Definition für das fotografische Gedächtnis

Die Wissenschaft spricht im Rahmen der Gedächtnispsychologie über ein fotografisches Gedächtnis. In diesem Zusammenhang wiederum werden zwei Fremdworte fallen. Ikonisches Gedächtnis und eidetisches Gedächtnis. Das fotografische Gedächtnis wird folgendermaßen definiert:

Die sensorische Fähigkeit, sich nicht nur an sämtliche Details eines Fotos präzise zu erinnern, sondern sogar eine Situation genauestens wiederzugeben, samt Gehörtem, Gespürtem, Düften und sämtlichen visuellen Details.

Und diese Fähigkeit ist laut wissenschaftlicher Definition gekoppelt an die Kapazität, nach unbegrenzt langer Zeit quasi auf Knopfdruck dieses Erlebnis, exakt in Worten wieder geben zu können. Allerdings müssen, wenn es sich tatsächlich um ein echtes fotografisches Gedächtnis nach wissenschaftlicher Definition handelt, diese beiden Fähigkeiten der wirklichkeitsgetreuen Aufnahme und Wiedergabe der Situation getrennt sein von Bedeutungszuweisungen und Schlussfolgerungen. Auch muss die Wiedergabe zu jedem beliebigen Zeitpunkt, sowie wiederholt erfolgen können.

Ausschließlich diese Definition für das fotografisches Gedächtnis wird mit dem Fachbegriff eidetisches Gedächtnis bezeichnet. Das ikonische Gedächtnis jedoch bezieht sich nur auf ein Kurzzeitgedächtnis , also ein kurzfristiges, objektives Abrufen und Wiedergeben Können einer wahrgenommenen Situation, ohne sie mit persönlichen Gefühlen und Gedanken zu verzerren.

Diese Fähigkeit steht im Übrigen total im Gegensatz zum episodischen Gedächtnis (ein Begriff aus dem Bereich Langzeitgedächtnis).

Hierbei sind Situationen und innere Bilder aus der Vergangenheit ausdrücklich zusammen mit den eigenen Emotionen und Gedanken abgespeichert und kommen unwillkürlich hoch. Wir nehmen das Einsetzen des Langzeitgedächtnisses besonders bei alten Menschen wahr. Diese haben zwar häufig mit verstärkt auftretender Vergesslichkeit bezüglich Alltagskleinigkeiten zu kämpfen, fühlen sich jedoch an Leute, Dinge und Erlebnisse aus ihrer eigenen Kindheit erinnert.

Das eidetische Gedächtnis ist jedoch ein fotografisches Gedächtnis-Konzept, welches von einigen Wissenschaftlern angezweifelt wird. Besonders in der Abgrenzung zu sogenannten Mnemotechniken, den Methoden also, die das Gedächtnis trainieren.

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